Externalisierung des europäischen Migrationsregimes: Perspektiven zu Auswirkungen und Widerstand

Samstag, 11. September, 18.00-19.30 Uhr, Park Platz

Panel – Sudan Uprising Germany, Alarmphone Sahara, Afrique-Europe-Interact und Medico International, Moderation: Jana Häberlin

Europa lagert seine Grenzen aus. Durch immer engere Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteur*innen in sogenannten Transit- und Herkunftsländern wird Migration zunehmend bereits ausserhalb des Schengenraums im Sinne europäischer Staaten kontrolliert. Mit wirtschaftlichen Anreizen und politischem Druck setzen diese ihre Interessen durch und schaffen ein neokoloniales Grenzregime, das bis weit über Europa hinausreicht. Während lokale Machthaber gestärkt und lokale Realitäten massiv beeinflusst werden, werden Migrationsrealitäten zunehmend in die Unsichtbarkeit gedrängt. Vier Personen aus unterschiedlichen Regionen und Projekten werden über die verschiedenen Gesichter der Externalisierung berichten. Welche Interessen werden verfolgt? Wie manifestiert sich die Politik der Externalisierung? Welche Auswirkungen hat diese auf Migrant*innen und die lokale Bevölkerung? Wie kann solidarischer Widerstand und eine Autonomie von Migration aussehen? Anhand des Visaregimes im Kontext Tunesien, der europäischen Finanzierung der am Völkermord von Darfur beteiligten Janjaweed-Miliz und anhand der Kriminalisierung von Migration, die in Niger unter erheblichem Druck der EU durchgesetzt wurde, werden diese Fragen besprochen.


Sudan Uprising Germany: Sudan Uprising Germany ist ein Kollektiv und eine politische Plattform, die zu Beginn der sudanesischen Revolution 2018-2019 von sudanesischen und sudanesisch-deutschen Aktivist*innen in Deutschland gegründet wurde. Eine antikolonialistische Perspektive ist das Herzstück ihres Aktivismus, da sie erkennen, dass ein Großteil der Marginalisierung von Gruppen innerhalb ihrer Länder und des Globalen Südens ein Produkt des kolonialen Erbes und der kolonialen Herrschaft über Afrika und darüber hinaus ist. Aus diesem Grund ist SudanUprising Deutschland immer im Gespräch mit anderen Aktivist*innen aus sozialen Bewegungen in Berlin und sowohl aus Deutschland als auch aus der ganzen Welt.
http://www.sudanuprising.com/about.html 

Afrique-Europe-Interact: Afrique-Europe-Interact ist ein transnationales Netzwerk von Basisaktivist:innen – unter ihnen zahlreiche selbstorganisierte Geflüchtete, Migrant:innen und Abgeschobene. Das Netzwerk verfolgt dabei insbesondere zwei Ziele: Einerseits die Unterstützung von Geflüchteten und Migrant:innen in ihren Kämpfen um Bewegungsfreiheit und gleiche Rechte. Andererseits eine Auseinandersetzung mit dem Recht zu bleiben, also die Möglichkeit, zu Hause bzw. im Herkunftsland ein Leben unter sicheren, würdigen und selbstbestimmten Bedingungen führen zu können.
https://afrique-europe-interact.net/38-0-Unser-Netzwerk.html 

Medico International “Rückkehr Watch”: Medico International setzt sich seit Jahren gegen die Folgen der europäischen Externalisierungspolitik ein. In ihrem neuesten Projekt “Rückkehr Watch” beleuchtet Medico die Folgen dieser Politik. Im Zentrum stehen Erfahrungsberichte von Rückkehrer*innen aus Marokko, Afghanistan, Irak und Nord-Irak, Nigeria und Mali. Diese zeigen auf, dass sogenannt „freiwillige“ Rückkehr und Reinintegrationsförderung häufig nicht aus freien Stücken, sondern vielmehr aus Not und Alternativlosigkeit in Anspruch genommen wird – sie sind Resultat der strukturellen Gewalt des Externalisierungsregimes.
Deutsch: freiwillige-rueckkehr.de; Englisch: return-watch.org; Französisch: return-watch.org/fr

Alarmphone Sahara: Alarme Phone Sahara (APS) ist ein Kooperationsprojekt zwischen Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen in der Sahel-Sahara-Region und Europa. APS zielt darauf ab, Migrant*innen für ihre Rechte und die Gefahren, denen sie ausgesetzt sind, zu sensibilisieren, organisiert die Rettung von Migrant*innen, die in der Wüste in Not geraten sind, dokumentiert aber auch Verbrechen, Menschenrechtsverletzungen und Schikanen auf der Straße und prangert die regionale, subregionale, nationale und internationale Politik an, die das Leben von Migrant*innen gefährdet und das Recht auf Bewegungsfreiheit verletzt. APS ist solidarisch und erkennt das Recht auf Leben, Bewegungsfreiheit und die Achtung der physischen und moralischen Integrität der menschlichen Person und die Gleichheit zwischen den Menschen an.
https://alarmephonesahara.info/en/about/who-is-alarme-phone-sahara 

Moderiert von Jana Häberlein. Jana ist in unterschiedlichen migrationspolitischen Zusammenhängen aktiv, unter anderem der Anlaufstelle für Sans-Papiers in Basel. Jana bringt praktische Perspektiven auf die Externalisierung der EU-Migrationspolitik ein, insbesondere hinsichtlich deren Auslagerung in die Balkanstaaten. In verschiedenen Hochschulkontexten unterrichtet sie u.a. zu Themen von Grenzregimen.