Initiative in Gedenken an Oury Jalloh

Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh gründete sich unmittelbar nach dem Brandtod Oury Jallohs in der Gewahrsamszelle Nr. 5 des Polizeireviers Dessau-Roßlau am 7. Januar 2005. 

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Dessau in dem Fall waren von Anfang an darauf ausgerichtet, nachzuweisen, „…dass die theoretische Möglichkeit jedenfalls bestand, dass er (Oury Jalloh) selbst die Tötung veranlasst hat“ – wie es der Leitende Oberstaatsanwalt Folker Bittmann auf der ersten und einzigen Pressekonferenz seiner Behörde zum „tragischen Ereignis“ des Brandmordes an Oury Jalloh formulierte.(Video [deutsch] Min. 9:17 bis 11:11).

Die Ermittlungen wurden und werden bis heute gezielt verschleppt, einseitig eingegrenzt oder abgeblockt. Beweise wurden aktiv manipuliert, Zeug*innen unter Druck gesetzt und Tatsachen vertuscht. Ein strukturell rassistisches politisches System sowie der rassistische Konsens innerhalb der Gesellschaft haben diesen und viele andere Morde des politischen Systems erst möglich gemacht. Polizeigewalt wird durch die Politik und staatliche Ermittlungsorgane gedeckt, die Judikative verleugnet den Rassismus der Institutionen und ihrer Beamt*innen und folgt so den politisch vorgegebenen Leitlinien einer verfassungsbeugenden Staatsräson. 

Wir kämpfen dabei nicht nur für die Aufklärung des Mordes an Oury Jalloh, sondern wollen auch den ursächlichen, strukturellen Rassismus durch diskriminierende Gesetze für Asylbewerber, durch gewalttätige Polizeipraxis gegenüber „Ausländern“ und durch rechtswidrige Staatsräson der Judikative offenlegen, der zahlreiche weitere Morde an Nicht-Weißen und Migrant*innen im In- und Ausland erst möglich gemacht hat. Somit kämpfen wir auch für die Aufklärung der Gemeinheit über die Ursachen und Tradition von Rassismus und dessen geschichtliche und anhaltende Verbrechen im Namen eines vermeintlich zivilisierten Rechtsstaates, wie es Deutschland, die USA und viele andere Nationen des Westens so gerne vorgeben zu sein. Siehe Video

Homepage: https://initiativeouryjalloh.wordpress.com


Infoveranstaltung: „Oury Jalloh – Wie der deutsche Staat einen rassistischen Mord in einer Polizeizelle vertuscht“.

Oury Jalloh wurde am 7. Januar 2005 in einer Dessauer Polizeizelle an Händen und Füßen gefesselt, misshandelt und verbrannt. Die Initiative in Gedenken an Oury Jalloh kämpft seitdem für Aufklärung des Mordes und somit gegen den Widerstand von Polizei und Justiz, die von Anfang an behaupteten, dass Oury Jalloh sich selbst angezündet habe. Nach insgesamt vier Prozessjahren vor den Landgerichten in Dessau und Magdeburg wurde lediglich der damalige Dienstgruppenleiter wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 10.800 € verurteilt. Die Brand- und Todesursache wurde von den Gerichten jedoch nicht geklärt. Die Mörder laufen frei herum! Deshalb hat die Initiative zunehmend selbständig Ermittlungsaufgaben übernommen.
Zwischen 2013 und 2019 veröffentlichte sie mehrere Gutachten von internationalen Sachverständigen, die beweisen, dass Oury Jalloh in Polizeigewahrsam ermordet und verbrannt wurde. Die Initiative hat in den vergangenen Monaten eine staatlich unabhängige Kommission aufgebaut. Diese hat sich Ende Januar 2018 gegründet und ihre Arbeit aufgenommen. Zusammen mit der Kommission arbeitet die Initiative mittlerweile an der Aufklärung von drei ungeklärten Morden in ein und demselben im Polizeirevier Dessau. Aktivist*innen der Initiative berichten über den Stand der Ermittlungen, über ihre Erfahrungen mit der jahrelangen Repression, über institutionllen Rassismus in Polizei und Justiz, über die Bedeutung von Selbstorganisation und die Internationalen Unabhängigen Kommission zur Aufklärung des Todes von Oury Jalloh. Es folgt eine Diskussion zu der Frage: Warum wird ein Mensch in Polizeigewahrsam gefoltert und verbrannt und die deutsche Mehrheitsgesellschaft schweigt dazu? Aufklärung braucht Fakten, Protest und Kontinuität! Oury Jalloh – Das war Mord!


Renzo de Pablo ist ein Aktivist in vielen Formen und Ausprägungen. Von einer kolonialisierten Insel in der Karibik namens Curaçao kommend, wird er dem ENOUGH eine Intervention widmen. Eine Intervention, die Kolonisierung, systematische Unterdrückung, Passivität der Schweiz während der Kolonisierung und in jüngster Zeit miteinander verknüpft.