Awareness

To be aware: sich bewusst sein, sich informieren, für bestimmte Problematiken sensibilisiert sein

Linke Räume sind nicht automatisch diskriminierungsfreie Räume. Das enough. soll Raum von Auseinandersetzungen sein, aber mit der notwendigen Rücksichtnahme auf unterschiedliche Bedürfnisse und Hintergründe. Deshalb fordern wir alle zu einem achtsamen und bewussten Umgang miteinander und zur kollektiven Verantwortungsübernahme auf. 

Damit Personen mit unterschiedlichen Lebensausrichtungen, Erfahrungen und Geschichten zusammenkommen und sich wohl fühlen können, sollten wir uns unsere jeweiligen Positionen und die daraus resultierenden Privilegien[1] bewusst machen.

Awareness bedeutet für uns aber nicht nur individuelle Reflexion, sondern in erster Linie kollektive Verantwortungsübernahme. Nur in der gemeinsamen Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen und Diskriminierung können wir diesen etwas entgegensetzen. Dazu gehört für uns das Bewusstmachen eigener Privilegien und bestehender Machtstrukturen, aber auch kollektives Handeln im Fall von Übergriffen aller Art. Awareness wird optimalerweise nicht an ein paar wenige Personen delegiert. Dieser Prozess geht uns alle an, denn wir alle bestimmen mit, wie das Klima in einem Raum ist – egal ob hinter der Bar, beim Eingang, auf der Bühne oder als Besucher*in. 


Was macht das Awareness-Team?

Während den Veranstaltungen vom 11. – 12. September 2021 wird es auf dem ParkPlatz ein Awareness-Team geben, die als Ansprechspersonnen zu erkennen sind. Wenn du dich in einer bestimmten Situation oder mit einzelnen Personen unwohl fühlst oder du diskriminierendes Verhalten erfährst oder beobachtest, findest du bei ihnen Unterstützung. Wenn du das Awareness-Team auf dem Platz gerade nicht findest: am Infopoint beim Eingang ist zu jeder Zeit eine Ansprechperson vor Ort. Das gilt auch für die Veranstaltungen an der Autonomen Schule Zürich: auch dort ist zu jeder Zeit eine Ansprechsperson am Infotisch. Wir versuchen, verschiedene Ansprechpersonen mit möglichst vielfältigem Wissen und Erfahrungen zur Verfügung zu stellen.[2] Das Awareness-Team soll jedoch weder als Kontrollinstanz oder Sicherheitsdienst noch als Expter*innenorgan verstanden werden.

Das Awareness-Team steht dir bei Bedarf bei Aushandlungen von für dich schwierigen oder verletzenden Situationen zur Seite. Das Awareness-Team sucht den Dialog. Ist ein Dialog nicht möglich oder das grenzüberschreitende Verhalten wiederholt sich, erlauben wir uns Menschen vom Platz zu weisen. Das Awareness-Team möchte aufkommende Konflikte auf eine möglichst konstruktive Art lösen. Ziel ist es, Übergriffe und Diskriminierungen zu erkennen, zu verhindern, gemeinsam mit den betroffenen Personen zu reflektieren und gleichzeitig die Aufmerksamkeit aller zu stärken. Falls du das Bedürfnis hast, dich für einen Moment zurückzuziehen, dann komm auf uns zu. Es gibt während der Aktionstage einen Rückzugsraum für BIPoC[3]  und FLINT-Personen[4] geben.


Diskriminierung und Übergriffe gemeinsam bekämpfen

Awareness bedeutet für uns, dass sich so viele Personen wie möglich aufmerksam und bewusst verhalten. Denn natürlich sind auch wir nicht frei von bestimmten Dynamiken und reproduzieren Diskriminierung. Auch das wollen wir mitdenken und sind offen für Hinweise aller Art, aber tauschen uns auch gegenseitig dazu aus.

Awareness schliesst für uns unverhandelbar mit ein:

Sexismus, Rassismus, Ableismus[5], Queer-Feindlichkeit[6] und jede andere Form von Diskriminierung haben bei uns keinen Platz!

Wir sind nicht überempfindlich, sondern machtkritisch! Wir wollen darauf hinweisen, dass es bestimmte kontroverse Symboliken und Handlungen gibt. Dennoch wird gewisses Verhalten in keinem Fall toleriert:

  • Rassistische, sexistische, LGBTQIA+-feindliche[7], ableistische Äusserungen und Handlungen
  • Körperkontakt ohne Einvernehmen
  • Ungefragtes Fotografieren anderer Personen, welches deren Privatsphäre und Sicherheit gefährden könnte 

Kulturelle Aneignung

Wir bitten um Reflexion und einen kritischen Umgang mit der Aneignung und Instrumentalisierung von kulturellen, religiösen und politischen Symboliken wie z.B Dreadlocks, Bindis, Kufiya, Miitärkleidung etc. Der politische Kontext und Implikationen dieser Symboliken sind nicht immer bewusst oder erkennbar. Daher möchten wir auf eine umsichtige Sprache achten, die offen ist für Hinweise und Anregungen.

Passt auf einander auf – nur gemeinsam schaffen wir solidarische Räume, die kritische Auseinandersetzungen erlauben!

Helft mit, unser Awareness-Konzept zu unterstützen und umzusetzen!


Dieses Awareness-Konzept entstand auf der Grundlage von:

  • Dem Awareness Konzept der in.vision
  • Awarenetz.ch
  • Wörterbuch vom Verein Diversum
  • Glossar von Bla*sh
  • Awarenessglossar von @wirmuesstenmalreden

Danke für eure Arbeit.



[1] Privilegien zu haben bedeutet, mit gewissen Problemen und Diskriminierungen im Alltag nicht konfrontiert zu sein. Privilegien können sein: einen Schweizer Pass haben; als weiss gelten; cis Mann sein; nicht beinträchtig zu sein, etc. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass man es im Leben immer leicht hat. (cis Mann ist ein Mann, bei dem die Geschlechtsidentität dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.)

[2] Möchtest du mit einer BIPoC, weiblichen oder Person mit einer gewissen Positionierung sprechen, die eben nicht vor Ort ist, kannst du das dem Awareness Team mitteilen. Gerne schauen wir, dass du eine Ansprechperson hast, bei der du dich wohl fühlst.

[3] Abkürzung von Black, Indigenous and People of Color. Es ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismus Erfahrungen machen.

[4] Abkürzung für Frauen, Lesben, Inter, Non-binary, Trans*. Der Begriff bezeichnet Menschen, die keine cis Männer sind und somit stärker von patriarchalen Unterdrückungsmechanismen betroffen sind.

[5] Ableismus ist die alltägliche Reduktion eines Menschen auf seine Beeinträchtigung. Damit einher geht eine Abwertung (wegen seiner Beeinträchtigung) oder aber eine Aufwertung (trotz seiner Beeinträchtigung).

[6] Mit Queer-Feindlichkeit bezeichnen wir jegliche Diskriminierung gegen Dinge, Handlungen oder Personen, die in ihrem Ausdruck der sexuellen oder geschlechtlichen Identität von der Cis-Heteronormativität abweichen.

[7] Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer, Intersexual, Asexual. Das Plus steht für alle anderen Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen.