„Amori. Die Inseln.“ – Buchvorstellung von Johanna Lier

Montag, 6. September, 19.00-20.00 Uhr, ASZ (Dachstock)

Lesung und Diskussion mit Videostatements der Protagonist:innen des Buches Abtin S., Junus B., Deniz C., Karim Q., Lizzy O., Filomela P. Moderation: Lorenz Naegeli.

„Bekomme ich in Europa kein Asyl, gibt es kein anderes Land auf dieser Welt, das mich aufnimmt. Und obwohl sie mich in Kabul töten würden, drohen die europäischen Behörden mit Deportation. Das ist verrückt. Ich verstehe es nicht.“ (Abtin S., 24 Jahre alt)

AMORI. DIE INSELN erscheint im Mai 2021 im Verlag die Brotsuppe in Biel und ist ein literarisch-dokumentarischer Bericht über den Alltag und die Kämpfe im Registrierungs- und Aufnahmezentrum Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Die Frage lautet, was es mit Menschen macht, die unter Bedingungen der systematischen Verweigerung von physischen wie auch psychischen Grundbedürfnissen überleben müssen. 

Neun Männer und Frauen aus dem Lager Moria auf der Insel Lesbos, Flüchtlinge und Aktivisten, erzählen der Autorin (oder ihrem fiktiven Alter Ego Henny L.), was es heißt, dort zu überleben. Es geht um Hunger, Kälte, Hitze, Krieg, Gewalt und den radikalen Verlust der Kontrolle über das eigene Leben. Sie fliehen vor Krieg, Diktatur, Hunger und den Auswirkungen der Klimakatastrophe, manche sind auf der Suche nach einem besseren Leben. Sie kommen aus dem Nahen Osten, Südostasien, dem Maghreb und den Ländern südlich der Sahara. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in seeuntüchtigen Gummibooten die Ägäis überqueren und in Lagern auf den griechischen Inseln festgehalten werden, bis entschieden wird, ob sie in Europa Asyl beantragen können – oder ob sie in die Türkei abgeschoben werden. Das kann Jahre dauern.

AMORI. DIE INSELN ist keine Chronik der Skandale, sondern ein dokumentarischer Bericht mit literarischen Mitteln so nah wie möglich an die Betroffenen herankommt. Eine jahrhundertealte europäische Praxis wird dokumentiert: die Selektion und das Lager.

2018 und 2019 verbrachte Johanna Lier, Autorin und Aktivistin bei Watch-the Med Alarm Phone,  mehrere Monate in Griechenland und kam eher zufällig in das Lager Moria. Eine Erfahrung, die sie nicht unbeantwortet lassen konnte. Daraufhin kehrte sie nach Moria zurück und begann, basierend auf James Baldwins Essay Everybodys Protest Novel, zu recherchieren und zu schreiben.